Aktuelles

7 Poster ADLecture 7 (2)
19.01.2026|Veranstaltungen

Albrecht Dürer Lecture: SCHEITERT FAMILIE? UND WENN JA, WORAN?

Diese Frage – und mehrere andere, die zum Nachdenken anregten – stellte die diesjährige Albrecht Dürer Lecture zum Thema „Familie". Zusammen mit 40 unserer Schüler_innen der Klassen 9, 10 und der Oberstufe tauchte Livia von Samson ein in Gleichberechtigung, Erwartungshaltungen und die zentrale Frage, ob Care-Arbeit eigentlich als Arbeit gelten sollte.

Der Glaube an traditionelle Familienbilder gehört zum Geschäftsmodell von Influencer_innen. Aber was bedeutet das für die Menschen, die diese sorgfältig inszenierten Bilder konsumieren? Livia von Samson nahm unsere Schüler_innen mit auf eine interaktive, empirisch fundierte Reise – und zeigte ihnen, in welchem Umfang Care-Arbeit tatsächlich ungleich verteilt ist, wobei Frauen in den unterschiedlichsten Familienkonstellationen den weitaus größten Teil übernehmen.

Überraschend? Vielleicht. Doch diese Ungleichheit hat weitreichende Konsequenzen, die finanzielle und soziale (Un)Abhängigkeit sowie gesundheitliche Aspekte betreffen.

In diesem Kontext stellte Livia von Samson drei mögliche Lösungsansätze vor. Doch ob sich diese Schieflage durch Automatisierung, Bezahlung oder Vergesellschaftung korrigieren lässt, ist keine einfache Frage – jeder Ansatz brachte verschiedene Folgeprobleme und Hürden zutage.

Die Seminare, die auf die Lecture folgten, warfen ein Schlaglicht auf diese Probleme:

Das erste Seminar befasste sich mit der sozialen und ökonomischen Dimension der Care-Arbeit. Was ist Arbeit überhaupt? Und wann ist Care-Arbeit (keine) Arbeit? Und wie lässt sich eine Alternative formulieren – und tatsächlich realisieren? Die Schüler_innen legten den Schwerpunkt dabei nicht auf die Lösungen selbst, sondern auf die argumentativen Grundstrukturen, die mögliche Lösungsansätze begleiten.

Im zweiten Seminar erörterten und diskutierten die Schüler_innen verschiedene Thesen zu Liebe in familiärem Setting – Thesen, die (angenommene) geschlechterbasierte Unterschiede und materielle Erwartungshaltungen thematisierten. Diese Überlegungen konnten anschließend auf Freundschaften ausgedehnt werden: Sollten Rechte und Vorzüge von Familien auch auf freundschaftliche Beziehungen übertragen werden? Zum Beispiel, wenn Freunde gemeinsam ein Kind erziehen, ohne dabei im rechtlichen Sinne als Familie zu gelten? Sollten sie… Sollten sie nicht… Diese Fragen konnten nicht abschließend beantwortet werden – aber die Notwendigkeit, sie zu stellen, könnte nicht deutlicher sein.

Die Gesellschaft behandelt „Familie" zumindest äußerlich noch immer als fixe, natürliche Kategorie, die aus der Geschichte hervorgegangen ist. Jede Abweichung vom traditionellen Modell wird oft als Problem behandelt – statt als möglicher Hinweis darauf, dass unsere Verständnis der Realität hinterherhinkt.

Und unsere Schüler_innen? Sie stellen diese wichtigen Fragen.

So bedanken uns bei Livia von Samson für diese inspirierende und wichtige Lecture sowie dem Förderverein, der die Albrecht Dürer Lecture seit 2016 jährlich ermöglicht.