Gremien

Gesamtelternvertretung

Offener Brief der Gesamtelternvertretung an den Schulsenator Herr Zöllner

 

Herr Senator Zöllner: Sie verhindern die Integration an den innerstädtischen Gymnasien!
Warum? Das Verlagern attraktiver Bildungsangebote in die Schulen der Berliner Randbezirke führt zum weiteren Abwandern bildungsorientierter Familien aus der Innenstadt.
Begründung: Das Albrecht-Dürer-Gymnasium hat seit 1999 durchgängig zwei grundständige Klassen zum Abitur geführt. Die Zusammensetzung dieser Klassen hat maßgeblich dazu beigetragen, dass an unserer Schule Kinder deutscher und nicht deutscher Herkunft (ndH) erfolgreich zusammenarbeiten und –leben, so hatte die ADO 2009 den besten Abiturdurchschnitt von Neukölln erreicht.

Im Schuljahr 2010/11 gingen die Anmeldungen für die grundständigen Schulen wie in allen Bezirken zurück: die intensive Diskussion der Schulreform und der Schulzeitverkürzung in den Medien führte bei den Eltern zu einer Verunsicherung. An der ADO wurde nur eine fünfte Klasse eingerichtet.
Für das Schuljahr 2011/12 wurde dem Albrecht-Dürer-Gymnasium im Unterschied zu den Schnelllerner-Gymnasien in bürgerlichen Randbezirken Berlins nur noch eine Klasse genehmigt. Entsprechend hat die Schule die Öffentlichkeit und Elternschaft informiert. Die erhöhten Anforderungen für die Aufnahme, die auf Initiativen der jetzt begünstigten Schulen zurückgeht, haben in Neukölln offensichtlich abschreckende Wirkung. Folglich blieben in diesem Jahr die Anmeldezahlen gering.
Im Januar 2011 stellte die Albrecht-Dürer-Schule einen Antrag auf Einrichtung einer zweiten 5. Klasse. Diese sollte keine Schnelllernerklasse, sondern dem Umfeld entsprechend eine Klasse zur integrativen Leistungs-förderung sein. Dieser Antrag wurde von der Senatsverwaltung abgelehnt. Begründung: er sei zu kurzfristig gestellt.
Laut Pressebericht stellten 8 Gymnasien in den Randbezirken Berlins, denen teilweise bereits zwei Züge genehmigt wurden, gemeinsam am 25. März einen Antrag auf Einrichtung zusätzlicher grundständiger Klassen. Eine Begründung lautet, dass die bei anderen Schulen freigewordenen Züge nun neu verteilt werden könnten (also auch die zweite 5. Klasse aus Neukölln!!). Dieser Antrag wurde im Gegensatz zu dem der ADO von Senator Zöllner am selben Tag bewilligt.
Dies ist ein bildungspolitischer Skandal und integrationspolitisch fatal: Die Integration junger Menschen verschiedener Herkunft, die von Politik und Verwaltung wortgewaltig verkündigt wird, wird mit dieser Maßnahme gegen die Wand gefahren. Der große Bezirk Neukölln hat nun nur noch einen grundständigen Zug, während Bezirke wie Zehlendorf-Steglitz, Charlottenburg, Pankow etc. z.T. 4 – 12 grundständige Gymnasialklassen haben.
Will man erreichen, dass junge Menschen deutscher und nichtdeutscher Herkunft in einer Schule zusammen aufwachsen, muss man die Innenstadtschulen stärken und mit interessanten Bildungsangeboten ausstatten, so dass Eltern aus Randbezirken ihre Kinder auf diese Schulen schicken. Der Antrag unserer Schule aber wurde abgelehnt.
FAZIT: Der seit Jahren wahrnehmbare Trend wird verstärkt: die Gymnasien in den bürgerlichen Randbezirken dürfen mehr grundständige Klassen aufmachen, so dass Eltern aus den Innenstadtbezirken ihre Kinder dort anmelden. Leistungsfähigen Kindern deutscher oder nichtdeutscher Herkunft wird das gemeinsame Lernen an der ADO nur noch in geringerem Umfang ermöglicht. Es werden weniger Botschafter gelungener Integration herangebildet. Die Senatsverwaltung und der Senator sorgen mit ihrer Entscheidung also für eine fortschreitende Segregation.
Die Elternschaft des Albrecht-Dürer-Gymnasiums ist entsetzt und kritisiert diese Entscheidung scharf! Fast 50 Prozent der Berliner Jugendlichen haben inzwischen einen Migrationshintergrund. Aber die Berliner Schulpolitik begünstigt noch immer die Bezirke, in denen diese Jugendlichen nicht leben.
Für die Gesamtelternvertretung des Albrecht-Dürer-Gymnasiums Petra Lohse, 4.April.2011

Bezirkselternausschuss Neukölln